WrestlingCorner Kolumne: Kommen die Teilzeit-Wrestler zurück?!

Veröffentlicht am 17. Oktober 2020 um 20:23 Uhr von Vincent Hummel in der Kategorie: Kolumnen.
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Was wäre die größte Wrestling Liga der Welt ohne Teilzeit-Wrestler? Vermutlich eine Liga ohne Back-Up. So gesehen kennen wir sie eigentlich überall. Wenn man über den Tellerand schaut, wird man bemerken, dass längst nicht nur die WWE an dieser Sache festhält.

In Folge von sinkenden Einschaltquoten oder generellem Desinteresse behilft man sich hierbei an der stärksten Front. Die Ligen zwingen uns, wieder einzuschalten. Die prägende Attitude-Era der WWE ist noch immer ein probates Mittel, um sich die Leute wiederzuholen, die in der Zukunftsplanung jener Company kein Land mehr sehen. Und so gliedert sich wieder die gut gemischte Fanbase ein, in der sowohl junge als auch alte Fans ein Produkt sehen, was den Anforderungen jeglichen Alters entspricht.
Wenn man das so liest, stellt sich dann nicht die Frage, ob man sich dieser raffinierten Lösung auch außerhalb bedient? Ohne jegliche Zweifel kann man diese Frage bejahen. Wenn man z.B. in die Hochburg des Strong-Style-Wrestlings reist, nach Japan, kann man sich auch hier die größte Wrestling-Liga anschauen, und feststellen, dass New Japan Pro Wrestling so etwas schon seit vielen Jahren durchführt. Egal ob ein Pay-Per-View oder eine normale House-Show, wir sehen immer diese etwas betagten Wrestler am Anfang jedes Events. Auch wenn es hier weniger um Relevanz geht als um ein breites Produkt darzustellen, darf man jetzt getrost die Meinung besitzen, dass längst nicht nur die WWE ein Mittel besitzt, das verschiedene Generationen anzieht.

Wir berichteten in dieser Woche über ein Interview mit Paul Heyman. Dieser Mann dürfte jedem Wrestling-Fan bekannt sein. Als designierter Manager von vielen Wrestlern, ist Heyman eine Ikone in diesem Sport. Seine Hauptaufgabe bestand in letzter Zeit darin, einen Teilzeit-Wrestler zu managen, und ihn so gut wie möglich darzustellen. Die Rede ist nicht von Roman Reigns, sondern von Brock Lesnar. Ein Wrestler, der so wenig spricht wie ein Avox in den Suzanne Collins’ Büchern. Und doch gelang es Heyman, allein durch seine Monologe, ein Match aufzuziehen, und dabei seinen Mandanten so perfekt zu inszenieren, dass man kaum glauben kann, dass dieser jemals bezwingbar sei.
Das alles ist Brock Lesnar. Und noch viel mehr. Nämlich ein Teilzeit-Wrestler. Gebunden an Verträge durfte jener vielleicht nicht so viel tun, wie man es gerne gesehen hätte, jedoch erfüllte er seinen Zweck. Und dieser Zweck ist genau der Kern, worum es in diesem Wort „Teilzeit“ eigentlich geht. Es geht einerseits um Rehabilitation und andererseits um Schadensbegrenzung.
Hierzu ein Beispiel: Als Roman Reigns von der Bildfläche verschwand war es Lesnar, der die WWE als Champion anführte. Und man wusste vom ersten Zeitpunkt an, dass nur Reigns Lesnar besiegen kann. Man sieht also hier das Paradebeispiel von Schadensbegrenzung und dahingehend auch die erste Form des Nutzens solcher Teilzeit-Wrestler. Wir konnten uns sodann auf eine lange Periode einstellen, die wir auch bekamen. Lesnar durfte die WWE unsicher machen, schien unbezwingbar, bis…Drew McIntyre kam und Lesnar ablöste. Seitdem war er von der Bildfläche verschwunden. Und ehrlich gesagt sehnt sich im Moment keiner nach Lesnar. Und das hat seinen Grund: Man baute endlich jemanden auf. Endlich sah man ein drittes Gesicht in der obersten Region der zwei Unbezwingbaren. Und auch deshalb haben wir unsere Teilzeit-Wrestler gern. Sie sind mehr oder minder Legenden. Keiner kann ihnen das Wasser reichen, und sollte es doch jemand können, dann stand ihm eine gute Zukunft bevor, siehe AJ Styles, Kevin Owens uvm.
Durch den Sieg von McIntyre entstand der zweite Baustein: Rehabilitation. Man hatte genug von Lesnar. Reigns war da, aber woanders. Man nahm sich also einen Wrestler, der für die Zukunft wichtig war, zog den Teilzeit‘ler raus, und hatte nun wieder alt und jung bedient.

So wird es auch weiter laufen. Die Wechselwirkung zeigt sich in jeglicher Form. Und daher ist dieses Zurückgreifen, dieser Back-Up für jede große Promotion so wichtig.

Nicht umsonst gibt es das Undertaker-Zitat: „Wenn Vince mich braucht, komme ich zurück“. Genau, wenn Vince ihn braucht. Und er braucht ihn vielleicht nur für ein Match. Doch dieses eine Mal hat so viel Bedeutung hinsichtlich der Schadensbegrenzung oder Rehabilitation.

Jeder weiß, dass sowas seine Endlichkeit besitzt. Doch bis dahin wird sich jede Promotion in Sicherheit gewägt haben, um andere Leute in die wunderbare Form der Teilzeit zu schicken, die dann, genau wie die Vorgänger, ihren Zweck erfüllen.

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