WrestlingCorner Kolumne: Wie überleben die Indy-Ligen?

Veröffentlicht am 8. November 2020 um 10:11 Uhr von Vincent Hummel in der Kategorie: Kolumnen.
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Die COVID-19 Pandemie hat auch die Wrestling-Welt fest im Griff. Für den Marktführer WWE scheint die Lage im Moment unter Kontrolle, doch wie sieht es bei den Indy-Ligen aus aller Welt aus und können diese jetzt noch überleben?

Betrachten wir zunächst die WWE. Eine Liga, die mit ihren finanziellen Mitteln eigentlich locker sechs Monate auskommen könnte. So denkt man. Wir wurden eines Besseren belehrt und sahen zunächst die logische Konsequenz solcher Krisen: Entlassungen und Änderungen. Zunächst wurden einige Wrestler entlassen. Das hat man zwar schon vor diesen Zeiten des Öfteren gemacht, jetzt jedoch aus einem anderen Grund.

Alle Events wurden vorerst ins WWE Performance Center in Orlando, Florida verlegt. Was zunächst wie ein geeigneter Platz aussah, wurde schnell zu einem leeren Gebilde mit Ringaction. Die WWE wäre nicht der Marktführer, wenn sie nicht alternative Möglichkeit erschließt und zwei Monate später präsentiert. Die Antwort war der WWE „Thunderdome“. Eine Möglichkeit, die Zuschauer virtuell einzublenden und zu suggerieren, dass man echtes Publikum hätte. Gar keine schlechte Idee, und für umgerechnet über ~ 10 Millionen Euro Kosten, für die WWE kein Problem! Und tatsächlich wurden diese Kosten für dieses Konzept um das sechzigfache wieder eingenommen. Eine irrationale Summe, die man sich kaum vorstellen kann. Die WWE schreibt, trotz der Pandemie, mehr als gute Zahlen und kann damit dem Virus nur trotzen.

Bevor ich weiter darauf eingehe, ist ein Blick in die Indy-Ligen nicht verkehrt. Hierbei sprechen wir über Ligen wie ROH (Ring of Honor) und MLW (Major League Wrestling) aus dem US-amerikanischen Raum, AJPW (All Japan Pro Wrestling) und DDT-Pro Wrestling aus dem japanischen Raum, sowie wXw (westside Xtreme wrestling) und die GWF (German Wrestling Federation) aus Deutschland.
All diesen Ligen tut die Pandemie sehr weh. Man veranstaltet ohne Zuschauer, das Geld wird immer knapper, man kämpft ums Überleben. Und genau der Satz, dass “das Geld immer knapper werden würde”, ist jener, der entscheidend dazu beiträgt, warum ein „Thunderdome“-Konzept nicht funktionieren wird, obgleich eine Liga keine roten Zahlen schreibt.

Wir sehen also die große Diskrepanz zwischen Marktführer und Indy-Ligen. Der Unterschied ist so groß, dass man kaum Alternativen finden kann. Doch die gibt es. Es gibt Hoffnung. Und diese Hoffnung verbreitet eine Liga, die wir gerne zu deutschlands größter Wrestling-Liga zählen, die wXw. Sie ist das Vorbild, wie eine Liga überleben kann. Das Beklagen ist überall groß, das musste auch wXw eingestehen. Dennoch versuchten sie, das Beste aus der Sache zu machen. Sie entwickelten im März ein Konzept, das fast schon als ideales Muster für jede Indy-Liga zählt. Die Rede ist von virtuellen Kartenverkäufen, Corona-Spenden. Ein ganz banaler Aufruf zur Spende und dann die intelligente Idee mit den Kartenverkäufen. Kritiker würden jetzt sagen, dass es nicht funktioniert. Die Wrestling-Fans wissen es besser. Es ist eine schwierige Zeit und nichts liegt einem Wrestling-Fan mehr am Herzen als seine bevorzugte Promotion. Und dann findet sowas durchaus Zuspruch und auch Unterstützer. wXw macht es uns allen vor, es gibt ein Licht am Horizont.

Nun zurück zur WWE, mit der Frage, warum die Promotion einen so enormen Gewinn verbuchen konnte? Nun, die Frage kann recht schnell beantwortet werden und wurde im Laufe des Textes schon gegeben. Die WWE hat richtig reagiert. Auch wenn Existenzen an etwas hängen, ist für einen Arbeitgeber das Geschäft immer im Vordergrund. „Best for Business“ sagt die WWE immer wieder. Und deshalb hat man auch einigen Superstars gekündigt und sich fortan an einem kleineren Kontingent bedient. Und das hat auch funktioniert. Es braucht nicht immer ein breites Roster. Das ist eher kontraproduktiv und führt zu Unzufriedenheit bei vielen Wrestlern.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Lösungen gefunden wurden, die auch tragbar sind. Die WWE steht dabei außer Konkurrenz, weshalb man sich darüber keine Gedanken machen braucht. Man soll immer etwas positives aus einer Sache ziehen. Zweifellos können sich Indy-Ligen über etwas freuen: Wrestler! Während die WWE wie ein Staubsauger vor zwei, drei Jahren über die Talente gefegt ist und diese für sich beansprucht hat, entstand eine überdimensionale Zahl an Beschäftigten. Man hat einerseits dadurch Einschaltquoten generiert, den Indy-Ligen die Wrestler genommen und das Augenmerk auf sich gelenkt. Keine schlechte Idee und im Sinne der Liquidität von WWE auch kein Problem. Dadurch wächst aber auch Unzufriedenheit bei Wrestlern. Umso mehr Leute, desto mehr Arbeit. Man kann es eben nicht allen recht machen. Und deshalb haben viele ihren Unmut geäußert, sind von selbst oder während der Kündigungs-Session gegangen. Und jetzt kommt der Kernpunkt: Freie Wrestler! Endlich sind wieder Wrestler verfügbar. Und das bedeutet auch wieder mehr Aufmerksamkeit. Ein gutes Beispiel ist Eric Young. Wechselte zu Impact Wrestling, hat seine Bestimmung gefunden und wurde kurzerhand Weltmeister.
Es ist sicherlich eine harte Zeit. In dieser Zeit ist aber Besinnung und Denkvermögen ganz wichtig. Es muss eine Wechselwirkung zwischen Promotion und Wrestler entstehen (wie bei Arzt und Patient, Lehrer und Schüler), in der beide Parteien einen Gewinn erzielen. Und der sollte nicht gierig und egoistisch sein, sondern für beide Seiten akzeptabel. Dann überleben Wrestler, dann überleben die Indy-Ligen.

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