WrestlingCorner Kolumne: Thank You, Taker!

Veröffentlicht am 22. November 2020 um 22:13 Uhr von Vincent Hummel in der Kategorie: Kolumnen.
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The Undertaker, eine Inspiration für jeden Wrestling-Fan. Einige Male konnte uns der Sensenmann mit seinem unvergleichlichen Gimmick unterhalten. Und, so sehr dieser Satz surreal erscheint, er muss doch ausgesprochen werden: Heute Nacht wird der Undertaker nach 30 Jahren seine Karriere beenden und in den wohlverdienten Ruhestand einkehren.

Es begann alles vor 30 Jahren. Damals war The Undertaker, der mit bürgerlichem Namen Mark Calaway heißt, ein Rookie. Schnell machte er sich mit seinem Totengräber-Gimmick einen Namen und es zeigte sich große Beliebtheit für ihn. Das merkte auch die WWE, die ihn gleich mal ins Main Event pushte und jener dort alles abfertigen durfte, was ihm in den Weg kam. Und so entstand, wenn auch unabsichtlich, eine “WrestleMania-Streak” von 21 Siegen in 21 Jahren bis zum Jahr 2013, als Brock Lesnar diese Siegesserie brechen durfte. Schon da merkte man, dass es mit der Leistung des Takers bergab ging und die darauffolgenden Matches sehr mühsam vonstatten gingen.

Je mehr man sich mit der Person „The Undertaker“ beschäftigt, desto mehr wird man realisieren, dass jener nicht der typische Wrestler war, den man sich vorstellt. Für uns sind bei einem Wrestler die Fähigkeiten im Ring wichtig sowie das so genannte „Mic-Work“. All das brauchte der Taker nicht. Und man sieht, er hat es auch ohne diesen Parametern geschafft. Der Mann mit der markanten schwarzen Jacke, mit dem markanten schwarzen Hut, schwarzer Lidstrich und das unverwechselbare Augenrollen. So in etwa lässt sich der Undertaker beschreiben. Und allein durch sein Outfit, seine Gesten und seinem Handeln konnte er Menschenmassen begeistern. Das konnte er wie kein Zweiter. Ich denke, dass ich mich festlegen würde, wenn ich sage, dass so etwas nicht noch einmal funktionieren wird. Ich sage auch mit allergrößtem Respekt, dass der Undertaker nie der beste Wrestler war. Aber für so etwas war er auch nicht bestimmt. Ein guter Wrestler mag zwar unterhalten, er hat uns jedoch vorgemacht, dass es auch anders geht. Und das macht ihn zu einem ganz besonderen Wrestler.

Erst letztens war Calaway bei einem Interview geladen. Dort erzählte er über sein Verhältnis mit Vince McMahon, dem CEO und Chairman der WWE. Dabei sagte er, dass er grundsätzlich mit keiner Entscheidung zufrieden gewesen sei, die McMahon entschied und er dann immer nur den Plan ausführte, wie jener es wollte. Dabei erwähnte Calaway das Ende der Streak bei „WrestleMania 30“. Das berühmte 21-1, als Brock Lesnar den Undertaker besiegte. Für Calaway war Brock Lesnar nicht der richtige Gegner.
Calaway: „Ich wartete vor dem Büro von Vince und es war ein ganz normaler Tag. Wir trafen uns, um ‚WrestleMania‘ zu besprechen. Ich kam gar nicht zu Wort, als er schon sagte, dass er Lesnar gewinnen lassen will. Ich war zunächst etwas verwirrt. Ich fragte ihn, ob er sicher sei, was er bejahte. Und das sagte ich ihm auch immer, dass es so gemacht wird, wie er es sagt, so lange er davon überzeugt sei. Für mich persönlich war es keine gute Wahl. Ganz ehrlich, Brock ist das Beast. Er hätte den Sieg nicht gebraucht. Er war schon an der Spitze und es hätte ihm nicht geschadet, wenn er gegen mich verloren hätte, sowie den vielen Anderen davor auch nicht. Ich hätte lieber Roman Reigns schon damals als Gegner gehabt. Er war noch bei The Shield, die ein Match gegen The New Age Outlaws hatten. Er wäre der richtige Kandidat gewesen, wenn man bedenkt, was die WWE mit ihm vor hatte und dass er schlussendlich auch gegen mich im späteren Verlauf gewinnen konnte. Aber damals wäre es noch besser gewesen. Es wäre unerwartet gekommen, hätte ihm schon damals einen großen Push gegeben und die Leute hätten ihn ganz anders wahrgenommen, zumal ja The Shield sowieso aufgelöst wurde. (Interviewquelle: WrestlingINC)

Das Interview zeigt, dass auch er nicht immer mit allem einverstanden war und seine ganz eigenen Vorstellungen hatte. Aber es zeigt auch, wie er sich untergeordnet hat und zwar als Ikone gefeiert, aber immer als Arbeiter eingestanden. Und ich muss ihm da auch recht geben, dass Lesnar diesen Sieg nicht gebraucht hätte. Ich finde es ehrlich gesagt schade, dass man die Streak mit zwei Niederlagen bestücken musste. Denn, dadurch dass Reigns sowieso dafür geplant war, wäre die Taktik, die Calaway erklärte, die bessere gewesen. Doch auch mit den zwei Niederlagen hat sich das Image und der Leumund des Takers nicht verändert.

Für mich persönlich ist der Undertaker der Wrestler des Jahrhunderts. Er konnte so inspirieren, Leute mitreißen, hatte diese gewisse Ausstrahlung für sein Auftreten und die nötigen Fähigkeiten. Ich würde mich freuen, wenn er der WWE noch lange erhalten bleibt. Seine Zukunft hat er bis jetzt offen gehalten. Als Trainer im WWE „Performance Center“ zu arbeiten, stand auch mal im Raum. Doch das sind alles nur Gerüchte. Es wird die Zukunft zeigen, was er machen wird. Jedoch sollte die WWE, das wäre mein Appell, ihn nun auch im Ruhestand lassen. Es würde keinen Sinn ergeben, ihn nochmal in einem Match antreten zu lassen, auch wenn das Gerücht mit Drew McIntyre als Gegner nicht leiser wird. Es war schon unglaubwürdig, als er nach der zweiten Niederlage bei „WrestleMania 33“ gegen Reigns, wo er seine Kleidung im Ring ablegte und stumm verschwand, ein Jahr später zurückkehrte und John Cena abfertigte.

Natürlich ist The Undertaker eine Attraktion, mit der die WWE werben und Zuschauer generieren kann. Als die Quoten im Jahr 2015 stetig bergab gingen, holte man den Sensenmann zurück, stellte ihn zweimal gegen Lesnar und siehe da, die Quoten verbesserten sich. Das ich auch das, was Calaway immer sagte, wenn er erzählte, dass, wenn Vince ihn brauchen würde, er immer da sein werde.

Ich bin gespannt, ob dieser letzte Satz immer noch Relevanz besitzt, oder ob man sich nun wirklich einig über seine Zukunft ist. Ich würde mir wünschen, dass er nun verdient seinen Ruhestand genießen kann. Und es bleiben schöne Erinnerungen, etliche Dokumentationen auf dem „WWE Network“, was inklusive ein fünfstündiges Special beinhaltet, wo alle Matches des Takers gezeigt werden.

Man kann gespannt sein, wie das Farewell heute Nacht bei der „Survivor Series“ ablaufen wird. Ich hoffe, dass es einem Abschied einer Legende gerecht wird. Sollte dem nicht so sein, werde ich eben selbst vor dem Fernseher sitzen und im klatschenden Rhythmus „Thank You, Taker“ rufen…

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