WrestlingCorner Kolumne: Sting ist All Elite

Veröffentlicht am 13. Dezember 2020 um 18:00 Uhr von Vincent Hummel in der Kategorie: Intern, Kolumnen.
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Vor einer Woche wurde es bestätigt: “The Icon” kommt zur amerikanischen Wrestling-Liga AEW (All Elite Wrestling).
Einige waren nicht sehr überrascht, die Fakten zeigten diesen Wechsel. Andere wiederum hielten den Ruhestand für möglich, trotz der Auflösung des Legendenvertrags bei WWE. Ein Nachtrag zur Verpflichtung.

Wenn man sich näher mit dem Wrestling-Geschäft auseinandersetzt, wird man viele Faktoren bemerken, die bei einer Verpflichtung eine Rolle spielen. Gerade jene von Sting waren für AEW alles andere als nur reines Interesse an der Person für ihre Shows, zumal der Vertrag wenige Matches umfasst und eine Erscheinung in allen Shows nicht versichert wird.

Wichtige Gründe haben AEW zu dieser Verpflichtung getrieben. Einer wurde in dieser Woche bereits gezeigt: Der Wednesday Night War. Die Rivalität zwischen WWE und AEW ist bereits in vollem Gange und die Zahlen, die diese Woche veröffentlicht wurden, sprechen genau das an, was sie erreichen wollten. Sie generierten fast 1.000.000 Mio. Zuschauer im Durchschnitt und schlugen NXT bereits zum dritten Mal in Folge. Natürlich wird es wieder anders laufen, aber solche Machtspiele gehören in der belebten Wirtschaft dazu und ist generell nicht verboten, da es keine aktive Wettbewerbsverzerrung darstellt.

Ein weiterer Grund war die Entschlüsselung eines lang anhaltenden Gerüchts. Dieses besagt, dass fast alle Legenden von WWE niemals nach ihrem gesicherten “Ruhestandsvertrag” wechseln werden. Auch hier konnte AEW einen Schlussstrich ziehen. Für diesen Grund spielt aber auch Sting wieder eine größere Rolle. Denn er bewies die Sache als “Old-Time-Favorite”. Unter Leuten wie Dustin Rhodes (fka. Goldust) oder Cody Rhodes zählt, bei allem Respekt, kein Legendenstatus.

Vor einigen Wochen hatten wir in unserer Kolumne das Thema, ob ein Investorenprogramm dem Wrestling schaden würde. Meine Meinung war ganz klar und im Bezug auf die Zukunft eher vorhersehend getätigt worden. Und hier kommt wieder AEW ins Spiel. Sie sind nicht der Marktführer. Jedoch leben sie den Mut. Sie trauen sich an eine Sache, die nie angreifbar war: Der WWE die Wrestler wegschnappen. Sowas war vor zehn Jahren undenkbar. Und daher spielt der Grund der Etablierung eine große Rolle. Gerade dabei geht es um die Standhaftigkeit und das gleichwohl zu erwähnende Gesetz der Freiheit der einzelnen Partner, was bei AEW eindeutig Präsident Tony Khan zu sein scheint. Daher begibt man sich endlich mal auf die gleiche Überholspur, auf der WWE seit Jahren fährt.

Da stellt sich natürlich die Frage, was mit Sting nun passieren wird? Wird er ein Goldberg 2.0? So etwas kann man schon in Frage stellen, mit dem Hintergrund, dass dieser Mann, Sting, schon 61 Jahre alt ist. Die Blütezeit ist vorbei. Wir können uns sicherlich schon mal auf keine Sting-Kopie von den 90er Jahren freuen. Das sollte man immer bedenken. Man darf aber durchaus mit ein wenig Optimismus an die Sache rangehen und keine Ansprüche stellen. Denn, um froh zu sein, eine wirkliche Legende im Team zu haben, hat größeren Wert als die sture Wrestling-Taktik. Auch im Hinblick auf Sting‘s große Verletzung, die bei WWE sein Karriereende bedeutete und gleichzeitig den Hall of Fame Einzug, wird das Repertoire stark eingeschränkt sein.

Fragen wir AEW-Fans nach Sting, bekommen wir sicherlich drei Antworten:
Zunächst wird man die absolute weltklasse Verpflichtung befürworten und spannend auf die neue Zeit blicken, mit Freude an dieser Legende. Andererseits werden es viele kritisieren und den Zweck dahinter nicht verstehen, was im Hinblick auf das Alter, der Verletzung und dem gekürzten Vertrag über seine Matches im Jahr, berechtigt ist. Und zuletzt wird es einige geben, die sagen, und das befürworte ich am meisten: “Sting ist All Elite”.

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