WrestlingCorner Kolumne: Der Aufstieg von MLW

Veröffentlicht am 14. Februar 2021 um 12:00 Uhr von Vincent Hummel in der Kategorie: Kolumnen.
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In der heutigen Ausgabe der “WrestlingCorner Kolumne” soll es mal um eine Wrestling-Liga gehen, die abseits des Mainstreams jeden Mittwoch ihre eigene produzierte Show ausstrahlt sowie sporadische PPV’s zeigt und mit namhaften Wrestlern punkten kann. Beste Voraussetzungen für den baldigen Aufstieg in andere Dimensionen.

“Es sollte nicht sein!” So ähnlich könnte man den Werdegang der Promotion MLW (Major Legaue Wrestling) beschreiben. Sie war da und verschwand sogleich wieder. Eine echte quantitative Bilanz sieht anders aus und ist definitiv in dieser Geschichte nicht zu finden. Wie viele solcher spontanen Entscheidungen, stecken dahinter auch triftige Gründe, die so etwas veranlassen. Man hatte es nicht immer leicht.

Es beginnt alles unter dem Schutzmantel der NWA (National Wrestling Alliance). Mit der Förderation einen Pakt zu schließen, das hat schon immer gut geklappt. 1994 eröffnete die MLW ihre Liga mit einem starken Bündnis und gemäßigter Kontrolle. Für den Anfang eine wirklich gute Entscheidung, um langfristig zu planen. Nun musste man sich nur noch mit dem Produkt identifizieren können. Solche Entscheidungen sind immer kongruent. Man entschied sich allerdings für die eher schlechtere Wahl. Die Arbeitnehmer waren zwar da, aber leider auch das Hardcore-Wrestling, was von vielen Promotions und auch Wrestlern heute noch sehr kritisch gesehen wird. Folglich hat man sich auch entschieden, die Promotion, MLW, zu verlassen und gründete eine Suborganisation, die sich mit der NWA super verstand. Für die MLW hieß das gleichzeitig, dass man schließen musste.

Acht Jahre vergingen bis zum nächsten Anlauf. Eigentlich eine Zeitspanne, in der viel im Wrestling passiert ist. Die WWE entwickelte sich weiter und konnte ihre Konkurrenz ausstechen. Es erging nicht nur der damaligen WCW (World Championship of Wrestling) so, sondern die WWE machte sich auch die ECW (Extreme Championship Wrestling) zu eigen.
Auf einmal war es wieder da! Das Hardcore-Wrestling.

Eine echte Ironie, wenn man bedenkt, dass es damals mit der MLW nicht klappte und nun eine große Promotion wie WWE so etwas anbietet und das auch noch Früchte trägt. Die MLW hingegen hegte Zweifel ob deren Durchsetzungsvermögen. Man erinnerte sich scharfkantig an die eigene Historie. Vielleicht sogar Court Bauer höchstpersönlich. Der CEO der MLW reaktivierte seine geliebte Promotion, mit dem Hintergrund, dem extremen Wrestling eine Alternative zu bieten.

Ein cleverer Schachzug, der hier vorgenommen wurde. Unter eigener Regie war damals ein derartiger Stil nicht möglich, weshalb man nun umschwenkte und trotzdem die Alternative anbieten wollte, die den Hybrid-Wrestlingstil beinhaltete. Man hatte nun einen Vorreiter, der alles in die Wege leitete und wo das Publikum diese Art des Wrestlings gut annahm. Der perfekte Zeitpunkt, um auch wieder zuzuschlagen, mit dem ähnlichen Konzept wie früher, nur unter der Regie von Bauer selbst und niemand anderem. Also gab es seit 2002 – gleichzeitig die eigentlich offizielle Gründung der MLW – die Promotion wieder.

Dieses Mal schlug das Vorgehen nicht fehl. Man hatte gemerkt, dass es erst ein breites Publikum in einer höheren Dimension, wie ECW, geben musste, um das Angebot auch in der Lage der MLW anbieten zu können. Doch sie mussten sich nicht verstecken. Das Ansehen stieg zunehmend, da die Promotion mit Namen wie dem Sandman oder Steve Corino exzellent werben konnte, die der ehemaligen ECW bestens bekannt waren. Es war ein riesiger Umbruch. Man könnte fast meinen, dass dies die Etablierung in der Indy-Szene gewesen wäre. Es kam ganz anders!

2004 geriet man wegen fehlender Sponsorengelder zunehmend in Existenzangst. Nicht schon wieder. Gerade hat man sich als Nummer 1 in der Independent-Szene etabliert und sogleich steht wieder das Ende vor Augen. Allerdings war dies nicht das einzige Problem von MLW. Ein anderer Konkurrent zeigte sich und stieg innerhalb kürzester Zeit auf und verdrängte sie. Die Rede ist von ROH (Ring of Honor). Dieser Aufschwung war nicht mehr zu stoppen. Man hatte nun nicht nur fehlende Einnahmen, sondern auch noch einen größeren Konkurrenten. Was folgte, war die Schließung nach nur zwei Jahren.

Es wurde still. Viel zu still. Es vergingen fast dreizehn Jahre. Eine lange Zeit, in der man den Namen MLW längst vergessen hatte. Nicht so voreilig, lieber Autor. Denn, wie jede Promotion lebt auch die MLW von treuen Fans. Und als man 2017 mal leise an der Türe klopfte und mal wieder “Hallo” sagte, war dies nicht ein leeres Wort, das nur seinen Widerhall vernahm. Einige Fans konnten sich tatsächlich erinnern und freuten sich über dieses Lebenszeichen einer Promotion, die sich über eine Dekade im Jenseits befand.

Es war der Anfang eines Aufstiegs. Man konnte fröhlich verkünden, dass man wieder Events veranstalten wird. Mit “One Shot”, vom 21.07.2017, folgte ein großes Event, dass seiner Ankündigung gerecht wurde. Mit Namen wie Jeff Cobb, Tom Lawlor, Sami Callihan, MVP, Shane Strickland (aka Isaiah Scott), Ricochet, Tama Tonga, Mia Yim uvm. hatte man eine Card, die sich sehen lassen konnte. Und die Resonanz war positiv. 200 Leute für ein zunächst totgeborenes Kind war beachtlich.

Daraus konnte man nun Kraft schöpfen. Mehr als man eigentlich für möglich hielt. Endlich hatte man einen TV-Vertrag abschließen können und mit der Sendung “Fusion” eine tägliche Show auf den Markt gebracht, die dem Independent-Bereich in naher Zukunft viel Schmerzen unter dem Konkurrenzkampf bereiten soll. Am 20.04.2018 wurde die erste Show ausgestrahlt. Und die Quantität wurde langsam immer besser, bis die COVID-19 Pandemie einen kurzen Schlussstrich ziehte. Doch im letzten Quartal kam die Promotion zurück, gestärkt und voller Elan.

Zusammenfassend kann man sagen, dass man es geschafft hat. Man hat etwas geschafft, dass eigentlich unter ferner liefen niemals hätte klappen können. Aber man hat es durchgezogen und bewiesen, dass man dieses Produkt unbedingt zeigen will. Durch die jetzige Liquidität hat man auch die Möglichkeit, regelmäßig gute Stars bei “Fusion” zu zeigen. Mit Namen wie TJP, Tom Lawlor, Laredo Kid, Lio Rush sind Wrestler dort beheimatet – einige davon hatten sogar eine Vergangenheit mit dem Marktführer.

Und genau deshalb wird nun das Produkt auch angenommen. Man hat seine eigene Schmiede, man hat aber auch die nötigen Stars, die es braucht, um ein Produkt interessant zu machen. Das hatte man früher eigentlich auch, jedoch hat es damals noch keine wirkliche “Marktetablierung” im Independent-Bereich gegeben. Heute sieht das ganz anders aus, da der Aufstieg nicht mehr simultan mit anderen Organisationen oder Promotions verläuft.

So wurde aus einer Marktetablierung eine Produktetablierung, bei der der Aufstieg sicherlich noch nicht zu Ende ist!

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